1000, 300, 15, 0

Da war die Welt mal kurz in Ordnung. Naja fast: Der Zaun trennt die 300 in Sektor A von den 20 im Sektor B. Trotz Einschränkungen konnte im Sommer am Openair Deisswil für kurze Zeit getanzt und gefeiert werden.
Na dann eben so.
Wo Bartli die bald abgelaufenen Getränke aufkauft, damit wir nicht noch grössere Verluste einfahren.

Von der Rolle

«Ich habe schlechte Nachrichten für Sie. «

Darrens Gesicht verfinsterte sich.

«Was meinen Sie damit?»

«Schlechte Nachrichten», wiederholte der Arzt.  «Ich muss Ihnen sagen, dass sie nicht über den Boden rollen können.»

Darren sah sich an. Was sollte das heissen, nicht über den Boden rollen? Er konnte sehr wohl über den Boden rollen, mit seinem ganzen Körper konnte er das.

Der Doktor sah ihn an.

«Wissen Sie, was ich damit sagen will?»

Darren war entsetzt. Wissen, was er damit sagen wollte? Woher sollte er denn wissen? Er war ein Roller, nicht ein Wisser. Und Roller rollten nun mal und wussten nicht.

Ein entsetzlich langer Moment verging.

Der Boden schien sich unter seinen Füssen zu erheben. «Empfange mich», hauchte er ihm entgegen. Ihm, dem Bodenroller.

«Was soll das heissen?», frage Darren erneut. Panik ergriff ihn. Ergriff seine Hände, die nach der Lehne des Stuhls vor ihm rangen. Ergriff seine Füsse, die vor dem Boden fliehen wollten, der nun immer näher kam. Ergriff seine Zunge, die sich in seinem Rachen hin und her und hin und her drehte, immer wieder, wie ein verrücktes Kind, das über den Korridor seiner Schule robbte.

«Was meinen Sie damit?», stammelte Darren, trotz seiner Zunge, ohne seine Zunge, die nun gar nicht mehr damit aufhören wollte, in seinem Rachen hin und her zu rollen.

«Ahaaaaa», kam ein weiterer Laut aus seinem Rachen, hindurch durch seinen Hals und in Hörweite des Doktors, der immer noch dastand und nichts tat. Ahaaaa, immer nur Ahaaaa, und die Zunge drehte und die Hände rangen und der Boden kam näher und näher.

«Ich meine damit», sage der Arzt nun endlich, gelöst aus seiner wissensbedingten Schockstarre, die Paralyse derer, die zwar wissen aber nicht rollen können, «Ich meine damit, dass sie sich nicht mehr so aufführen sollten in der Öffentlichkeit.»

Darren sah sich im Raum um.

Ein weisses Zimmer, möbliert nur mit dem Nötigsten. Einem Tisch, einem Stuhl, einem Bett und einem Gitter vor dem Fenster, damit er nicht aus dem Fenster sprang. Das hatte man ihm so gesagt. «Das Gitter, Herr Ohnten, ist installiert, um sie vom Suizid abzuhalten. Lassen Sie es bitte da, wo es ist.» Die hohe näselnde Stimme der Schwester hallte in seinen Ohren.

Dalassen, wo es ist. Da. Da wo es ist da, da hält es einem vom Suizid ab und da lässt man es.

«Haben Sie das verstanden?», fragte der Arzt.

Verstanden. Verstanden verstanden verstanden. Ohnten verstand nicht.

Er dachte.

«Nein», sagte er. «Nein ich verstehe das nicht. Und wissen will ich es auch nicht.»

Der Doktor sah ihn verblüfft an.

«Aha. Also ein Missetäter. Ein Störenfried auf Station drei. Frau Ulla soll sich darum kümmern. Frau Petersen sagen Sie Frau Ulla, dass sie sich darum kümmern soll. Hier drin wird nicht mehr gerollt. Und gewusst auch nicht, wie es aussieht. Herr Ohnten, ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag.»

Tag. Tag, dachte Ohnten. Gerollt wird im Dunkeln. In der Nacht. Nicht am Tag.

«Einen schönen Tag wünsche ich Ihnen», antwortete Darren erhaben. Er war sich sicher: Des Nachts würde hier oder draussen oder irgendwo anders wieder gerollt werden. Und er würde dabei sein. Koste es, was es wolle.

Jobshadowing – Ein Filmisches Meisterwerk ;)

Grenzwertig verzweifelt und doch umso hoffnungsvoller kam meine Nachbarin und Gymerkollegin zu mir rüber: “Du, du machsch doch öppis mit Medie.” Sie müsse für die PH ein Jobshadowing-Video machen. Bei uns hiess das damals noch Schnuppern. Und davon, dass jeder und jede zu Hause Videos schneiden kann, ging auch keiner aus.

Ach wie schön, dass man Kollegen hat.

Nach einigen Empfehlungen für Gratisprogramme und der Warnung vor dem bösen Wasserzeichen beim Export innerhalb gratis Testversionen haben wir uns dann auf die simpelste Variante geeinigt: Fröhliches Videoschneiden bei Michelle.

Aus dem Material, das Lara mir vorlegte haben wir ein Video gemacht, das sich auch an der PH sehen lassen kann. Dazu muss man sagen: Lara scheint ein Naturtalent an der Kamera zu sein und auch die Protagonisten machen ihre Sache sehr gut.

Zum Videoschnitt hatte Lara nur einige Wünsch, keine konkreten Vorstellungen. Was denn das alles möglich sei? Alles. Sofern man sich Zeit nehme.
Konkret umgesetzt haben wir dann die langen Fotosequenzen, über welche hinweg Lara dann in einer Präsentation mündlich über ihre Schnuppererlebnisse berichtete. Einige lustige Spielereien und ein bisschen Unfug im Video durften natürlich auch nicht fehlen.

Ich fand es ausgesprochen unterhaltsam, für ein Mal ein Projekt zu bearbeiten, das schlussendlich nicht auf meine eigenen Noten Einfluss hat. Ausserdem war es gewissermassen eine ‘Auftragsarbeit’ (pssst, nicht der PH sagen, Lara hat das ja wirklich fast selbst gemacht) und ich wurde mit zahlreichen “du, gieng das”, “chönnt me da no” und “aso i hätti dänkt, i wett hie…” doch ein bisschen herausgefordert.

Die schleche Bildqualität liegt übrigens nicht am Ausgangsmaterial, sondern daran, dass wir das Video für die Abgabe leider zu Grunde komprimieren mussten.

Alles in Allem bin ich auf den geschmack gekommen, aus fremdem Material etwas Hübsches, Brauchbares zu zaubern und nebenbei einer angehenden Lehrerin ein bisschen Medienproduktions-Kompetenz zu vermitteln.